Kleine Geschichte zur Kneipe:
Während der Industrialisierung war das Gasthaus, die Kneipe, zum geselligen Treffpunkt der Industriearbeiterschaft, der kleinen Handwerker und Händler geworden.
Hier versammelten sich die ersten politischen Zirkel des Proletariats.
Nach Erlaß des “Sozialistengesetzes” von 1878, das Ansammlungen
unter freiem Himmel verbot, waren Gaststätten auch Orte der Arbeitsvermittlung oder kulturelle Zentren für Leseabende und Information.
Neben den Arbeiterkneipen, die sich am schnellsten vermehrten, hatte sich mittlerweile eine reichhaltige und unterschiedliche gastronomische Kultur herausgebildet. In Wein und vornehmeren Gasthäusern trafen sich die begüterten Bürger; Kaffeehäuser hatten für mittelständige Bürger geöffnet. Entsprechende Wirtschaften gab es auch für wandernde Handwerksburschen und Studenten.
Kleine Geschichte zur Vennbahn:
( ...und somit auch zu diesem Vennbahn-Bahnhofsgebäude, in dem sich unser Restaurant befindet.)
Die Geschichte der Vennbahn begann Ende des 19. Jahrhunderts., als Kaiser Wilhelm I. die Regierung Preußens per Gesetz dazu ermächtigte, eine Eisenbahnlinie von Aachen-Rothe Erde nach Prüm/Eifel über Monschau und St. Vith zu bauen. Ein Jahr später planten die Regierungen des Deutschen Reiches und Luxemburgs bereits einen Weiterbau der Strecke bis ins luxemburgische Ulflingen. Die neue Bahnlinie galt als Verbindung zwischen den Industriegebieten Luxemburgs und des besetzten Lothringens mit den Zechen im Wurmrevier bei Alsdorf.
Im Juni 1885 begann man mit dem ersten Teilstück der Bahnlinie
von Aachen bis Monschau und erweiterte in den folgenden Jahren
abschnittsweise. Die Kapazitäten der eingleisigen Strecke waren
sehr bald erschöpft; es dauerte jedoch noch fast 25 Jahre, bis
die Strecke zwischen Aachen und St. Vith zweigleisig befahren
werden konnte. Während des 1. Weltkriegs wurde das Streckennetz der Vennbahn durch militärisch wichtige Verbindungen
erweitert.
Nach dem 1. Weltkrieg gelangte die Vennbahn ab Raeren durch die Verlegung der Grenzlinie Deutschland - Belgien aufgrund des Versailler Vertrags unter belgische Verwaltung. Ihre Bedeutung als verbindende Verkehrslinie zwischen den Gebieten des Deutschen Reiches und Luxemburg nahm während dieser Zeit stark ab.
Erst während des 2.Weltkrieges, als Belgien annektiert und die
Vennbahn mit ihren Nebenlinien wieder der Deutschen Reichsbahn unterstellt wurde, erlangte sie wieder als Nachschublinie für
die deutschen Truppen in Frankreich und Belgien besondere Bedeutung. Während sich diese vor den vorrückenden alliierten
Verbänden hinter den Westwall zurückziehen mussten, wurde ein
großer Teil der Vennbahn von den motorisierten Sprengkommandos der deutschen Pioniere zerstört. Weitere Teile fielen den
Bombardierungen der englischen und amerikanischen Truppen
während der Ardennenoffensive im Winter 1944/1945 zum Opfer.
Lediglich das Viadukt über das Rolleftal, zwischen Aachen-Brand
und Kornelimünster, blieb verschont. Nach Reparaturarbeiten der
US-Armee konnte der Betrieb auf der Strecke zwischen Stolberg
und Raeren mit Lokomotiven aus den USA wieder aufgenommen
werden und wurde so zur Nachschublinie der Alliierten.
Besonders in der Zeit der Währungsreform war die Vennbahn sehr begehrt: Schmugglerbanden konnten mit ihrer Hilfe in Belgien erworbene Waren bis Monschau oder Roetgen bringen.
Nach der Kapitulation der Deutschen wurde der Betrieb der Vennbahn wieder von der belgischen SNCB übernommen und obwohl viele Schäden auf beiden Landesseiten der Bahnlinie repariert wurden, nahm der Personenverkehr, besonders auf den südlichen Strecken der Bahn, immer mehr ab.Im Laufe der Jahre wurden weitere der Gleise zurückgebaut oder Strecken stillgelegt und als Radwanderwege angelegt.
Ab 1990 gab es die Vennbahn als Touristikbahn an Sonn- und Feier tagen, was man dem Einsatz belgischer und deutscher Eisenbahnfreunde zu verdanken hatte. Doch auch leider das konnte nicht beibehalten werden: Heute herrscht trotz aller Bemühungen gar kein Zugverkehr mehr und wer noch ein Original der VennbahnLokomotiven bewundern möchte, der kann dies z.Zt. noch tun: bei einem Antiquitätenhändler auf der Straße zwischen Kelmis und Henri Chapelle.
Kleine Geschichten aus Kornelimünster:
Der Volksmund gab manchen Bewohnern Kornelimünsters aufgrund ihrer besonderen Eigenschaften ungewöhnliche Spitznamen:
- “de Fröschops” (eine Bauernfamilie, die besonders früh aufstehen mußte)
- “de Frau Jödderatt “(auf Hochdeutsch: Geht Ihr schon?) - die Floskel einer ortsansässigen Wirtsfrau
- “dr Damensamen” (Geschäft für Sämereien und Drogerie artikel, dessen Besitzer Dahmen hieß)
- “dr sammede Satan”
- “dr Scheeif”
- ”de Plaat”
- “dr Männ”
- “et schwazz Wiffje”
- “dr Immerschick”
- “dr Pisewipp (er machte beim Sprechen immer “pst, pst”,)
- “dr Kollich” (war völlig gesund, sah aber immer kollisch, “als ob es ihm übel wär”, aus)
Früher stand in der Nähe der Brücke in Kornelimünster ein
schmales Fachwerkhaus, “Et Hüssje”, das beim Rückzug der
deutschen Truppen stark beschädigt wurde.
In diesem “Hüssje” lebte zu dieser Zeit eine Kriegerwitwe mit
fünf Kindern. Der hintere Teil war notdürftig hergestellt worden
und bildete in den Nachkriegsjahren eine Art Zentrale für den
Kaffee-Schmuggel. Selbst der “Spiegel” befasste sich in Ausgabe
Nr.27 vom 6. Juli 1950 mit dem Treiben rund um das “Hüssje”.
Der Machtfaktor der Schmuggler war bereits so groß, dass sie sich
teilweise, wie im Falle eines Kellners, bereits eine ganze
Wagenflotte zugelegt hatten. Von Belgien waren Trägerkolonnen
über die grüne Grenze unterwegs. Ihnen standen auf der
anderen Seite als Kaffeekäufer getarnte Agenten, Spitzel und
bewaffnete Straßenkontrollen gegenüber. Vor der Währungsreform
beschäftigte ein Schmugglerkönig bis zu acht Träger, mit denen
er 150.000 Papiermark die Nacht machte. So manche Kriegerwitwe
erhielt zur gleichen Zeit lediglich 45 Reichsmark Monatsrente.
Beim Wiederaufbau des “Hüssje” 1945/50 wurde der rechtsliegende Stall miteinbezogen, so dass ein Vierfamilienhaus entstand. Eine Zeit lang war hier Parterre die Nebenstelle des Arbeitsamtes Stolberg untergebracht, in dem man für die Rente “stempeln” ging. Seine letzte öffentliche Verwendung fand es zwischen 1988 und 1990 als Galerie “Krone”.
- “Spräächt Platt” - Gedichte in Breiniger Mundart von Alfons Emonts
- “Schlürfen & Schmatzen” von Hans Siemons
- “Rund um den Korneliusmarkt und Benediktusplatz” von Johanna Kreiten
- “Die Vennbahn” - Heimatblätter des Kreises Aachen
